D / E
   
FIGHT – IT'S NOT ABOUT FALLING DOWN, IT'S ABOUT STANDING UP AGAIN
ein Dokumentarfilmprojekt von Juliette Forster, Schweiz 2011/12
Zwei Menschen, zwei bewegte Lebensgeschichten, die Aneignung einer fremden Kultur. Ein Film über Kung-Fu, die Suche nach der eigenen Identität und den Umgang mit den Schwierigkeiten des Lebens.
«FIGHT» erzählt die Geschichten zweier Menschen, die sich mit Leib und Seele den chinesischen Kampfkünsten verschrieben haben. Beide Protagonisten haben in ihrer Jugend Situationen von Gewalt, Bedrohung oder Abhängigkeit erlebt, und beide sagen, die Beschäftigung mit den Kampfkünsten habe ihr Leben auf tief greifende Weise verändert. Doch nun stehen sie erneut vor einem Umbruch. Doch nun zwingen äussere Umstände die Protagonisten erneut dazu einen gangbaren Weg zwischen ihren Idealen und den Erfordernissen der Realität zu suchen.
Gabrielle Boudreau lebt heute im Chinatown von Montreal. Da sie in ihrem Leben früh Gewalt und Drogensucht erlebt hatte und ihr Selbstvertrauen zu manchen Zeiten «nicht grösser als ein Brotkrümmelchen» war, hätte sie in ihrem Leben auch tief unten landen können. Durch einen Freund entdeckte sie als junge Frau die chinesischen Kampfkünste und begab sich selbstbewusst und mit unendlicher Energie in ein neues Leben. Heute führt sie eine Kung-Fu-Schule im Montrealer Chinatown und arbeitet mit jungen, gesellschaftlich ausgegrenzten Inuits. Da sie jedoch an der chinesisch-traditionellen Art des Unterrichts festhält, die sehr anspruchsvoll ist, hat sie nur wenige Schüler. Die finanzielle Situation hat sich in den letzten Jahren so zugespitzt, dass sie ums Überleben ihrer Schule kämpft. Dennoch ist sie nicht bereit, von ihren Prinzipien abzuweichen. In einem Alter, in dem andere an ihre Pensionierung denken, überlegt sich Gabrielle Boudreau nochmals neu aufzubrechen.
Tadzio Goldgewicht wuchs als Sohn eines jüdischen Einwanderers in Rio de Janeiro auf. Das Leben und der Alltag in Rio waren für ihn mit einem Gefühl der ständigen Bedrohung verbunden. Sehr früh begeistert er sich für die chinesischen Kampfkünste. Er beginnt sich so mit dieser Gedankenwelt zu identifizieren, dass er sich in Brasilien nicht mehr zu Hause fühlt und nach China auswandert. Ähnlich wie Gabrielle Boudreau lässt sich Tadzio völlig auf sein chinesisches Umfeld ein. Aber auch nach dreizehn Jahren fühlt er sich in China noch immer als Fremder. Deshalb plant er nun, mit Frau und Kind nach Kanada auszuwandern, um dort ein neues Leben zu beginnen.
Kontrastiert und verdichtet werden Gabrielle Boudreaus und Tadzio Goldgewichts Geschichten durch die sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen der chinesischen Meister Li Jinsheng, Jing Lianzhen und Wang Bo.
«Fight» geht der Frage nach, welche Auswirkungen die chinesischen Kampfkünste, diese uralte Form der Auseinandersetzung mit Körper und Geist, auf die Strategien haben, mit denen die Protagonisten ihr Leben meistern. Anhand von starken Persönlichkeiten und spannenden Geschichten dringt der Film zu existentiellen Themen wie Angst und Selbstvertrauen, Autonomie und Abhängigkeit, Aggression und Friedfertigkeit vor. Dabei geht es letztlich um die Suche nach der eigenen Identität.
«Fight» ist ein persönlicher Film, der sich einfachen Antworten verweigert und auf simple Didaktik verzichtet. Dadurch zieht er den Zuschauer in einen (imaginären) Dialog mit ein.
 
Produktion: Frank Matter, soap factory GmbH Basel
Regie, Buch: Juliette Forster