EINE SCHOKOLADE für NINA
ein Dokumentarfilmprojekt von Frank Matter, Schweiz 2010
Immer mehr Menschen leben bis ins hohe Alter zu Hause. Ins Altersheim wechseln sie erst, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. In den eigenen vier Wänden fühlen sie sich geborgener und freier, sie können ihren Tagesablauf selber bestimmen, und sie sind umgeben von den vertrauten Dingen, die sich im Lauf des Lebens angesammelt haben. Manche Betagte bezahlen für das Ausharren in der Autonomie allerdings einen hohen Preis: Vereinsamung, Langweile, Verwahrlosung sind nur ein paar Stichworte. Oft sind die Mitarbeiterinnen der Spitex für die alten Menschen die letzte Brücke zur Aussenwelt.
Die Spitex «verwaltet» die alten Menschen im Auftrag der Gesellschaft. Im Gegensatz zu den Betagten, die ihrer Situation auf eine zutiefst existenzielle Weise ausgeliefert sind, ist es für die Pflegenden «nur» ein Job. Ein Job, von dem sie sich nicht unterkriegen lassen dürfen, wollen sie nicht selbst «in Not» geraten.
Die Gratwanderung zwischen professionellem Verhalten und Menschlichkeit ist alles andere als einfach, zumal es keine einfachen Rezepte gibt. Die Pflegenden bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen den menschlichen Ansprüchen der Klienten, eigenen Berufsidealen, der Notwendigkeit zum Selbstschutz und externen Anforderungen wie Kostendruck, Vorschriften und bürokratische Abläufe. Oft stehen die Interessen des Individuums gegen diejenigen der zahlenden Gemeinschaft.
Von der Begegnung zwischen Spitex-Pflegepersonal und alten Menschen sowie von den mannigfaltigen Wirklichkeiten und Lebensgeschichten, die dabei aufeinanderprallen, handelt das Dok-Projekt «Eine Schokolade für Nina». Der Film wirft einen Blick auf eine verborgenen Welt hinter den Fassaden und erzählt von den kleinen und grossen Freuden, aber auch von den Dramen, die sich im Leben der alten Menschen und ihren Pfleger/innen abspielen. Die spannenden und berührenden Geschichten sagen etwas über unsere Zeit und unser Land aus: nicht nur darüber, wie wir alt werden und sterben, sondern auch wie wir leben – in einer Gesellschaft, in der immer grössere Bereiche der zwischenmenschlichen Beziehungen professionalisiert werden und fast jede Betätigung zur bezahlten Dienstleistung wird.
«Eine Schokolade für Nina» basiert auf einer Idee von Peter Aschwanden, der auch die Regie hätte übernehmen sollen. Der Basler Filmemacher verstarb jedoch während der Vorarbeiten völlig unerwartet.
Das Projekt wurde mit einem Stipendium der Société Suisse des Auteurs und einem Beitrag des Fachausschusses Audiovision und Multimedia BS/BL entwickelt.